Gemüseanbau (fast) ohne Wasser

In vielen Regionen der Erde ist es aufgrund von Wassermangel, schlechtem Boden und der Versalzung von Ackerboden schwierig, gutes Gemüse zu kultivieren. Alle drei Faktoren sind immer größer werdende Herausforderungen. Laut neusten Erhebungen der Vereinten Nationen gelten über 800 Millionen Menschen als unterernährt. Ein Zustand, der neue Lösungsansätze braucht.

AQUAPONIK ALS LÖSUNGSANSATZ

Systematische Darstellung des Wasserkreislaufs im Global Food GardenBei der Aquaponik handelt es sich um eine Technik, bei der Hydrokultur und Aquakultur in einem fast geschlossenen System miteinander verbunden sind. Unter Hydrokultur versteht man den Gemüseanbau im anorganischen Substrat durch Zugabe von Flüssigdünger, unter Aquakultur eine Fischzucht. Die Ausscheidungen der Fische werden bei der Aquaponik von Bakterien in Nährstoffe für die Pflanzen umgewandelt. Die Pflanzen reinigen durch die Aufnahme dieser Stoffe wiederum das Wasser für die Fische. Die Verbindung der Aqua- und der Hydrokultur geschieht durch Rohrsysteme, in denen das Wasser an den Bedarf des Verbrauchers angepasst wird. Durch dieses fast geschlossene System können im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft 80 bis 90 Prozent Wasser eingespart werden. Der Gemüseanbau ist dabei unabhängig von der vorhandenen Bodenqualität. Endprodukte der Aquaponik sind sowohl Gemüse als auch Speisefische.

Überlegungen zum Einsatz in der Internationalen Zusammenarbeit

Jede Kultur hat eine eigene Vorstellung von dieser Welt. Viele Dinge beginnen in unserem Denken. So beeinflusst die eigene Weltanschauung unsere Entwicklung, den Wohlstand oder die Armut nicht unwesentlich. Dies gilt sowohl für Einzelpersonen, Familien, Volksgruppen oder ganze Nationen. In vielen Fällen bestimmen innere Gedankengebäude die Entwicklung sogar mehr als der äußere Einfluss oder die Umstände.

Sehr häufig werden bei internationalen Projekten vor allem äußere Einflussfaktoren betrachtet, analysiert und Lösungsansätze idealerweise mit den Partnern vor Ort erarbeitet. Zu häufig werden allerdings innere  Einflussfaktoren (der Einzelpersonen, Volksgruppen und Länder) vernachlässigt. Dabei können aber gerade innere Begrenzungen, Glaubenskonzepte und Weltanschauungen zu einem Gelingen oder Scheitern eines Projektes führen.

Um Aquaponik langfristig erfolgreich in der Entwicklungszusammenarbeit einzusetzen, müssen sowohl die technischen, biologischen als auch die kulturellen Aspekte berücksichtigt werden.

Projekt Global Food Garden

Der Global Food Garden (GFG) ist ein Arbeitszweig von OM, einem christlichen Missions- und Hilfswerk, das in mehr als 110 Ländern tätig ist und langjährige Erfahrungen mit Entwicklungsprojekten hat. Dabei ist OM eine ganzheitliche Sicht wichtig, damit Projekte auch langfristig erfolgreich sind. Neben der Technologie spielen Faktoren wie Kultur, Überzeugungen und Religion eine sehr wichtige Rolle.

Viele der heutzutage eingesetzten Technologien der Aquaponik sind technisch sehr aufwendig und kompliziert und in vielen Ländern nicht reproduzierbar und finanzierbar. Das GFG-Projekt hat zum Ziel, die Technologien der Aquaponik so weit zu vereinfachen, dass sie in der internationalen Zusammenarbeit zuverlässig und nachhaltig eingesetzt werden können. Die vom GFG eingesetzten Technologien richten sich jeweils nach dem Bedarf und den Anforderungen des Einsatzgebietes. Kriterien sind unter anderem der Marktbedarf für spezifische Gemüse- und Fischarten, die vorhandene Wasserqualität, klimatische Bedingungen, Bildung und Kompetenz der örtlichen Betreiber, Verfügbarkeit von Baumaterialien und technischen Komponenten, Stromversorgung …

Die GFG-Mitarbeiter planen zusammen mit dem Betreiber die Anlage und passen diese an die Situation am Einsatzort an. Alle Komponenten können entweder vom GFG-Team selbst hergestellt oder von anderen Anbietern eingekauft und geliefert werden. Bei der Herstellung wird hoher Wert darauf gelegt, bedürftige Menschen in die Produktion miteinzubeziehen, um schon in diesem Schritt nachhaltig helfen zu können. Vor Ort leitet das GFG-Team den Aufbau und die Inbetriebnahme, schult das Personal und steht auch während des Betriebs unterstützend zur Seite.

Eingesetzte Technologien

Bis jetzt wurden vor allem zwei Anbauarten in den Projekten des GFGs eingesetzt. Diese sind:

  • NFT (Nutrient Film Technique)
  • Aeroponik

Systematische Darstellung des Wasserkreislaufs im Global Food Garden - HydroponikNFT

Bei dieser Anbauart wurzeln die Pflanzen in einem anorganischen Substrat, welche in Rohren oder Becken stehen. Die Wurzelspitzen sind dabei ständig im nährstoffreichen Wasser. Eine Pumpe sorgt für eine regelmäßige Wasserumwälzung. Mit diesem einfachen System erreicht man eine Wasserersparnis von bis zu 80 Prozent. Diese Anbauart ist vor allem für hoch wachsende Pflanzen wie Tomaten oder Gurken, die viel Wasser benötigen, geeignet.

Systematische Darstellung des Wasserkreislaufs im Global Food Garden - AeroponikAEROPONIK

Die Pflanzen wachsen auf beinahe vertikal gestellten Pflanzplatten. Diese liegen auf Gestellen, welche beim GFG aufgrund ihrer Form A-Frames genannt werden. Die Wurzeln hängen an der Innenseite frei in der Luft. In regelmässigen Intervallen werden die Wurzeln durch einen Sprühnebel mit nährstoffreichem Wasser versorgt. Dank dieser Anbauweise gewinnt man auf wenig Bodenfläche viel Anbaufläche. Geeignet ist dieses System für Gemüse, das kompakt wächst, wie Salate, Kohl, Kräuter …

Diese Lösung ist technisch aufwendiger als NFT, da mit höheren Pumpenleistungen gearbeitet wird und eine sichere Stromversorgung zur Verfügung stehen muss. Der viel höhere Flächenertrag rechtfertigt diese Technologie vor allem in dicht besiedelten Gebieten. Mit der Aeroponik können bis zu 90 Prozent Wasser eingespart werden. Beide Anbauarten werden in der Kombination mit einer Aquakultur oder als reine Hydrokulturen eingesetzt

 

Realisierte Projekte

 

In den letzten dreieinhalb Jahren wurden Projekte verschiedener Größen in Deutschland, den USA, Jordanien, Namibia, Botswana und der Türkei realisiert. Nachfolgend werden die größeren Projekte kurz beschrieben:

Der Global Food Garden in JordanienDACHFARM JORDANIEN, AUFBAU 2015

Ziele der Anlage:
• Testen der Systeme im kontinentalen Wüstenklima
• Schulungs- und Showanlage
• Belieferung eines 5-Sterne Hotels mit qualitativ gutem Gemüse und Fischen

Größe:
Kuppelgewächshaus mit 10m Durchmesser auf dem Flachdach des Hotels, 16 Laufmeter A-Frames, 40m NFT-Rohre

 

Der Global Food Garden in der TürkeiTÜRKEI, AUFBAU 2017

Ziele der Anlage:
• Test- und Schulungsanlage für die Türkei
• Kommerzieller Anbau von Gemüse und Fischen

Größe:
Tunnelzelt, ca. 22m x 40m. In der ersten Phase wurde 2/5 der Gewächshausfläche bestückt mit einer Aeroponikanlage mit Platz für ca. 15.000 Pflanzen, gesamthaft 120 Laufmeter A-Frames.


Besonderheiten:
Alle Bauteile wurden in Deutschland mit der Hilfe von Flüchtlingen gefertigt. Auftraggeber ist die Schwedische Allianzmission.

Der Global Food Garden in NamibiaWÜSTENFARM NAMIBIA, AUFBAU 2017

Ziele der Anlage:
• Schulungsanlage
• Kommerzieller Anbau von Gemüse in der Wüste

Größe:
Tunnelzelt, ca. 12m x 28m. Aeroponikanlage mit Platz für ca. 20.000 Pflanzen, gesamthaft 120 Laufmeter A-Frames.


Besonderheiten:
Alle Bauteile wurden in Deutschland mit der Hilfe von Flüchtlingen gefertigt.

 

Was sind die Vorteile?

 

  • Der Gemüseanbau im Global Food Garden benötigt, verglichen mit herkömmlichen Anbaumethoden bei gleichem Ertrag, bis zu 90 Prozent weniger Wasser.
  • Für den Gemüseanbau im Global Food Garden ist kein Mutterboden nötig und trotzdem bekommen die Pflanzen alle wichtigen Nährstoffe.
  • Der Global Food Garden braucht keine Pestizide, Unkrautvernichtungsmittel und Kunstdünger.
  • Der Global Food Garden bietet durch das Aquaponik-System eine Gemüseanbaumethode, die gleichzeitig auch Fisch als Nahrungsmittel produziert.

IN ZUSAMMENARBEIT MIT:

  • Duale Hochschule Mosbach, Mechatronik
  • Duale Hochschule Stuttgart, Wirtschaftsingenieure
  • Technikerschule Neckarsulm, Elektrotechnik
  • Schwedische Allianzmission
  • Evangelische Landeskirche Baden-Württemberg
  • Andreas Graber, Aquaponik, Gründer UrbanFarmers
  • Ing. Büro Rudolf Eisl, Energeta

 

Interesse?

 

Falls Sie noch mehr Interesse am Global Food Garden oder der praktischen Umsetzung haben, dann wenden Sie sich bitte an das Global Food Garden-Team: gfg.de@om.org

Wenn Sie das Projekt und den Aufbau von Global Food Gardens in verschiedenen Ländern finanziell unterstützen wollen, dann überweisen Sie Ihre Spende bitte unter dem Spendenkennwort „Global Food Garden". Vielen Dank!

Entwicklungszusammenarbeit

Viele Menschen leiden an materieller Not oder durch Krisensituationen. Hier wollen OM-Mitarbeiter praktisch und langfristig helfen – indem sie nach einem Taifun in Asien beim Wiederaufbau mit anpacken, Kinder mit Behinderung in Sambia fördern, für Frauen in Pakistan Einkommensmöglichkeiten schaffen oder sich im Nahen Osten um Flüchtlinge kümmern.

„Es reicht nicht, nur Glauben zu haben. Ein Glaube, der nicht zu guten Taten führt, ist kein Glaube – er ist tot und wertlos." Jakobus 2,17 (NL)

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Beten

Danken Sie für all die Hilfe, die OM-Mitarbeiter weitergeben können.

Beten Sie, dass durch diese praktische Hilfe Gottes Liebe den Menschen sichtbar wird.

Beten Sie für Sicherheit für die OM-Mitarbeiter, die in Krisengebieten den Menschen helfen. 

 

 

Geben

Unterstützen Sie verschiedene Projekte der Entwicklungszusammenarbeit.

  • 25 EINMALIG

    Ermöglichen Sie von AIDS betroffenen Kindern eine medizinische Grundversorgung.

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    Finanzieren Sie das Saatgut in armen Regionen der Erde, um langfristige Versorgung zu gewährleisten und Besserung zu bewirken.

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    Mit einem Essenspaket können 25 Personen in verschiedenen Ländern auf der Balkanroute mit Essen versorgt werden.

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  • R57077

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  • Sports Ministry

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  • Africa Trek Internship

    The Africa Trek Internship is a 12 month leadership development and discipleship program.
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  • English School Principal

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